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Turksprachen

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Turksprachen Artikel

Turksprachen Beschreibung
Turksprachen Beschreibung
Das heutige türkische Sprachgebiet

Die Turksprachen, auch Türksprachen, türkische Sprachen, Turktatarisch oder auch Turk-Tatarisch, Turkotatarisch oder auch Turko-Tatarisch, Turkomongolisch oder auch Turko-Mongolisch genannt, sind eine eng verwandte Sprachfamilie. Die Sprecherzahl beträgt zwischen 130 und 150 Millionen.

Inhaltsverzeichnis
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Verbreitungsgebiet der Turksprachen

Die Turksprachen sind in Sibirien und Zentralasien (wohl in dem Raume des Altai) entstanden und haben sich in großen Teilen Asiens und in Teilen Europas verbreitet. Sie bilden mit dem Mongolischen und dem Tungusischen die so genannten Altaisprachen. Diese Einteilung entstand ca. nachdem gemeinsamen Ursprungsraum dieser Völker, dem Altaigebirge. Eine ältere Sprachgruppenbezeichnung lautete Ural-Altaisch.

Buch-Tipp: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Folge 3. Noch mehr aus dem Irrgarten der deutschen Sprache Gut, aber . . . Das dritte Buch in der Serie ist noch gut, aber so langsam gehen Herrn Sick die Ideen aus.

Die türkischen Einzelsprachen und ihre Einteilung

Grundsätzlich ist die Abgrenzung dessen, was eine Sprache ausmacht häufig eine Frage regionaler historischer Entwicklung, politischer Entscheidungen oder auch wissenschaftlicher Übereinkunft. (Siehe auch Abstandsprache und Ausbausprache.)

Doch gibt es - trotz verschiedener Ansätze - in Bezug auf die türkischen Sprachen (im Gegensatz zu anderen Sprachen) keinerlei einheitliche Klassifizierungen. Vielmehr spielen hier subjektive Faktoren eine große Rolle.

Die unten benannten Sprachen sind überwiegend Schriftsprachen oder Sprachen von staatlich anerkannten ethnischen Gruppen. Andere turkologische Ansätze lassen die Zahl der Sprachen deutlich kleiner werden oder verweisen auf weitere Sprachen, die in der Liste nicht erwähnt sind. (Die ältesten Wörter einer Turksprache dürften wohl die turkukischen Wörter sein, die 1766 v. Chr. in China aufgezeichnet wurden.)

Eine häufige Einteilung unterscheidet die folgenden Gruppen:

Eine weitere Einteilung der Turksprachen fußt allein auf der geographischen Verbreitung . Sie teilt die Turksprachen wie folgt ein: Westtürkisch, Osttürkisch, Nordtürkisch sowie Südtürkisch.

Zu den Turksprachen zählen auch das Salarisch und das so genannte Gelbuigurisch in der Volksrepublik China. In dem Iran werden neben einigen oben genannten Turksprachen auch Afscharisch, Kaschgai gesprochen. Das Krimtschakisch, dass auch als Variante des Krimtatarischen betrachtet werden kann, wird entweder der oghusischen oder der kyptschakischen Gruppe zugerechnet. Aber auch die Zuordnung der Dialekte des Altaischen ist noch heute stark umstritten.

Es gibt eine Reihe historischer und ausgestorbener Sprachformen. Erwähnt werden sollten das einst in Sibirien und Zentralasien gebräuchliche Alttürkisch, Altuigurisch, Karlukisch und Choresmisch; aber auch das spätere Kyptschakische, Tschagataiische und das Osmanische müssen hier erwähnt werden. Auch Hunnische und Awarisch waren vermutlich überwiegend als Turksprachen anzusehen.

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Wichtige und aussterbende Sprachen

Einige der größten Turksprachen, die auch den Status von Amtssprachen von Staaten haben sind: Türkisch, Aserbaidschanisch, Turkmenisch und Usbekisch. Ferner Kasachisch und das eng verwandte Kirgisische.

Den Status von regionalen Amtssprachen haben zu dem Beispiel auch die Sprachen: Baschkirisch, Tatarisch

Aussterbende Turksprachen sind: Karaim, Krimtschakisch, Schorisch und Tofalarisch (Karagassisch).

Buch-Tipp: Die Sprache der Pferde. Die Monty Roberts Methode des Join-up. Das Join-up wir nicht ca. beschrieben sondern es ist auch gezeichnet ich liebe es =) Ich und meine Tochter haben dieses Buch gelesen und so das Leben der Pferde besser erlernt. Ob wohl wir selbst 5 Pferde haben und uns gut mit so was aus kennen haben wir es drotzdem gelesen und ich muss schon sagen wir haben eine menge da zu gelernt. Man kann durch...

Vergleichende Betrachtung von Turksprachen

Die heutigen türkischen Sprachen haben sich allesamt aus der Alttürkischen Sprache entwickelt. Dabei kam es in dem Laufe der weiteren Geschichte zu 5 (oder nach mancher Auffassung zu 6) großen Sprachgruppen.

Aber diese Gruppen kann man wieder in zwei große Sprachgebiete zusammenfassen:ins Ogurische Sprachgebiet, das aus den alten Westdialekten des Göktürkischen gebildet wurde, undins Oghusische Sprachgebiet, dessen Wurzeln in den alten Ostdialekten des Göktürkischen liegen.

Aber trotz der Weite ihrer Siedlungsgebiete sind sich die türkischen Sprachen untereinander noch sehr ähnlich. Wenn man nun die Schreibweise des modernen Türkischen (Türkeitürkisch) auf diese Sprachen anwendet, dann wird diese Verwandtschaft wieder ganz offensichtlich.

Wir vergleichen nun folgende Turksprachen miteinander: Türkisch, Aserbaidschanisch, Turkmenisch, Tatarisch, Kasachisch, Kirgisisch, Usbekisch und Uigurisch.


Gegenüberstellung der türkischen Hauptsprachen
Deutsch Türkisch Aserbaidschanisch Turkmenisch Tatarisch Kasachisch Kirgisisch Usbekisch Uigurisch
"Welche Wörter gibt es für die Schritte eines Pferdes?" Atın yürüyüşleri için hangi sözler var? Atın yerişi üçün hansı sözler var? Atın yörişleri barada ne hili sözler bar? Atnıng yürişleri turında nindi süzler bar? Atıng cürisin sıypattaytın kanday sözder bar? Attım cürüşü cönündö kanday atayın terimder bar? Atnıng yurişleri üçün kanday sözler bar? Atnıng mengiş ve yürügişliri toğısında kandak atamlarılar bar?


Die oben aufgeführten Sprachen haben eines gemeinsam: Sie sind Staats- oder Landessprachen unabhängiger Staaten oder autonomer Gebiete. Auch die nachfolgenden Sprachen sind Amtssprachen autonomer Republiken in dem Rahmen Russlands. Doch gelten sie innerhalb der türkischen Sprachen als "Exoten ". Aufgrund der langen Trennung von den anderen türkischen Sprachen haben sie einen "Sonderweg" eingenommen. Diese Sprachen sind: Saqa-Jakutisch und Tschuwaschisch.


Gegenüberstellung Saqa-Jakutisch und Türkisch
Deutsch Jakutisch Türkisch Deutsch Jakutisch Türkisch
Mund ayak aÄŸiz Bein but bacak*
Nase burun burun Zunge dıl dil
Freund cöge dost Hand eli el
Auge karak göz Fuß atak ayak
Kopf bas baÅŸ Zeitschrift nada dergi
Lippe uval dudak Mann toyon erkek


* Für den oberen Teil des Beins wird in der türkischen Sprache das Wort "but" benutzt.

Wie wir sehen, weicht das Jakutische vom Grundwortschatz her schon stark vom eigentlichen Türkischen ab. Auch besteht diese Trennung auch durch die verschiedene Wortstellung und Satzbau. Da haben sich die Jakuten mehr den Tungusen und Mongolen angeglichen - auch fehlen alle Fremdwörter persisch-arabischen Ursprungs, die vor allem das Türkei-Türkische auszeichnen.

Die andere Sprache, das Tschuwaschische, hat sich fast gänzlich von der türkischen Wurzel entfernt. Ein türkischer Muttersprachler wird in dieser Sprache kaum noch die Verwandtschaft feststellen - für einen Laien ist dieses gänzlich unmöglich:

Chulcha' sarsa tike'slnne' jyvachsem parhatarla' syvla'mpa cha'va'nna' hychcha'n cha'ma'pa'n va'shlatsa ireken chilpe sha'la'nsa tasalna' ta ja'lta'kka eshe'l kyra'nachche'.

Übersetzung: "Die belaubten Bäume badeten in dem reinen Morgentau und trockneten in dem sanften Wind; es war eine wunderschöne Szene."

Nun kommen wir zu einem der kleineren turkotatarischen Völkern, den Tuwinern. Exakt genommen gibt es sogar zwei "tuwinische Völker", die aus dem alten uyghur-türkischen Volk der Uriangqai hervorgegangen sind: Die Duwa in der Mongolei sind zwar turkstämmiger Herkunft, volkstumsmäßig aber schon vor 1204 in dem Mongolentum aufgegangen. Die Tuwiner sind Turkotataren in dem Russischen Altai und sehen in den Duwa ihre engeren Verwandten. Beide Völker gehörten bis 1921 einem gemeinsamen Staat an: dem Qaraqorum Arad Ulus - dem "Mongolischen Khanat". (Der Mongole Dschingis Khan war übrigens teilweise türkischer Herkunft: dessen Stammahnin Alan Ghoa war laut der "Geheimen Geschichte der Mongolen" eine Uriangqai.)


Gegenüberstellung Tuwinisch und Türkisch
Deutsch Tuwinisch Türkisch Deutsch Tuwinisch Türkisch
Mund agaz ağız Bein but bacak
Handgelenk gol bilek Kopf baÅŸ baÅŸ
Jacke cek ceket Kehle bostaa boÄŸaz
Kinn segel çene viel yok çok
Schuh mayık ayakkabı Schnurrbart erinsalı bıyık
Nase tumcuk burun Schaftstiefel idik çizme


Gegenüberstellung Chakassisch und Türkisch
Deutsch Chakassisch Türkisch Deutsch Chakassisch Türkisch
eins bir bir zwei iki iki
drei üs üç vier dört dört
fünf bis beş sechs alti altı
sieben yedi yedi acht segiz sekiz
neun dokuz dokuz zehn on on
einundzwanzig yihibitgı yirmi bir dreißig otuz otuz
vierzig hırıh kırk fünfzig illi elli
sechzig altan altmıs siebzig hitton yetmiş
achtzig sigiz on seksen neunzig doguz on doksan
(ein)hundert hüz yüz (ein)tausend hüz yuz bin
zehntausend tüben on bin - - -


Was Tuwinisch und Chakassisch auszeichnen, ist vor allem das Fehlen der vielen persisch-arabischen Fremdwörter, welche die südtürkischen Sprachen so beeinflusst haben. Vielmehr haben vor allem in dem Tuwinischen die Einflüsse der Mongolen eine große Rolle gespielt, während in dem Chakassischen das Uigurische des Mittelalters überdauert zu haben scheint.

Jetzt haben die großen türkischen Sprachen, wenn ihre Sprachträger als Eroberer kamen, stets Anteile der Ursprachen oder, wenn sie selbst erobert wurden, Sprachanteile der Sieger in sich aufgenommen. Am meisten wirken sich diese Vorsprachen in den Oghusischen Sprachen aus, wo neben einem enormen Anteil Persisch-Arabischen Sprachgutes , viele Wörter alter nichttürkischer Stammesstaaten überdauert haben.


Gegenüberstellung Sumerisch, Balkarisch und Türkisch
Deutsch Sumerisch Balkarisch Türkisch Deutsch Sumerisch Balkarisch Türkisch
wenig az az Az Vater baba ata Baba
satt daim dayım Doyum, doyma er mu Bu, ol Bu, o
Urgroßvater abame appa Büyük dede Wollweste gaba gabara Yün yelek*
ich me men Ben - - - -


* Für Wollweste wird in der türkischen Sprache auch das Wort "aba" angewendet.
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Lautliche und grammatische Merkmale

Turksprachen sind durch eine starre Satzkonstruktionen gekennzeichnet, an deren Ende in der Regel ein Verb (Tätigkeitswort) steht. Nachsilben (Suffixe) spielen die zentrale Rolle bei der Bildung grammatischer Formen. Dies wird Agglutination genannt. In Turksprachen gibt es anders als in dem Deutschen kein grammatisches Geschlecht. Ein lautliches Merkmal vieler Turksprachen ist die so genannte Vokalharmonie. In zahlreichen Turksprachen kommen in einem einzelnen Wort entweder ca. die Vokale (Selbstlaute) a, o, u und y oder ä, ö, ü und i vor. Auch die von diesen Vokalen eingebundenen Konsonanten (Mitlaute) unterscheiden sich von einander.

Die meisten Turksprachen sind, wie schon erwähnt, einander so ähnlich, dass sich ihre Sprecher untereinander ohne weiteres verständigen können. Mit Sprechern einer kleineren oder entlegenden Turksprache ist eine mündliche Verständigung ebenfalls - zwar mit großen Schwierigkeiten verbunden, aber dennoch - möglich.

Hierzu trägt natürlicherweise - neben den ererbten Gemeinsamkeiten - auch die lange arabisch-persische Prägung von Wortschatz und Idiomatik bei, die alle Turksprachen außer dem Nordtürkischen durch den Islam erfahren haben. Für die Turkotatarischen Sprachen der GUS-Staaten kommt die Schicht aus dem oder über das Russischen übernommenen Lexik hinzu. Trennend wirkt sich seit den 1930er Jahren die Tendenz aus, Neuwörter ohne Rücksicht auf die übrigen Turksprachen zu bilden.

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Schriftdenkmäler und Alphabete

Die ältesten alttürkischen Schriftzeugnisse dürften wohl die türkische Runeninschriften des Orchon -Jenissejgebietes sowie die türkischen Turaninschriften bilden. Diese stammen überwiegend aus dem 8. Jahrhundert und weisen diverse Ähnlichkeiten mit den germanischen Runen auf, so dass auch sie als Runen genannt werden. Diese Sprachdenkmäler dürften wohl dem Osttürkischen Sprachgebiet zuzurechnen sein.

Die eigentliche Osttürkische Schrifttradition beginnt in dem späten 10. und frühen 11. Jahrhundert unter den Karachaniden mit dem Kalukischen. Sie setzt sich in dem Choresmischen des 14. Jahrhunderts fort und weist bereits viele westtürkische Merkmale auf.

Im 15. Jahrhundert führt das Tschagataiische das Chroresmische wieder den osttürkischen Dialekten zu und endet in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts in den modernen Sprachen Usbekisch und Uigurisch.

Schrifterzeugnisse des südtürkischen Sprachengruppe beginnen ebenfalls in dem 10./11. Jahrhundert. Da entstanden die Seldschukische Sprache und deren Töchter Alt-Osmanisch und Alt-Aserbaidschanisch.

Die frühsten Zeugnisse des Westtürkischen stammen aus dem 14. Jahrhundert, als in der Kumanischen Sprache der Codex Cumanicus verfasst wurde.

Ferner stammen aus dem 13./16. Jahrhundert viele Glossaren, Grammatiken und lit. Werken aus Ägypten und in armenisch-kyptschakischen Denkmälern der Ukraine (16./17. Jahrhundert).

Späte Inschriften des Wolgabulgarischen sind aus dem 13./14. Jahrhundert überliefert, wobei eine genaue Abgrenzung zwischen ihr und den verwandten Sprachen, Kyptschakisch und Kyptschak-Tatarisch, kaum zu treffen ist.

Die Verschriftung der klassischen Literatursprachen Osmanisch, Aserbaidschanisch, Tschagataiisch, Kyptschak-Tatarisch und schließlich Krimtatarisch erfolgte ausschließlich in arabischen Buchstaben.

In der Zeit 1920/30 wurden weitere turksprachige Schriftsprachen geschaffen, die zuerst auf einem lateinisch basierten Alphabet fußten, dem Einheitlichen Türkischen Alphabet.

Ab 1936/40 begann in dem russischen Machtbereich der Übergang zur einer angepassten kyrillischen Schriftform. Waren die arabische und die lateinisch-basierte Schriftformen noch auf gegenseitige Verstehbarkeit ausgelegt, so war das bei den kyrillischen exakt das Gegenteil dort wurde aus verschiedenen Dialekten künstlich Sprachen gemacht und diese so weit wie möglich auseinander gerückt.

1990 wurde von den großen turksprachigen Staaten, Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisistan, Turkmenistan und Usbekistan beschlossen, bis 2005 für ihr Staatsgebiet eine lateinische Schrift wiedereinzuführen, das sich eng an dem Neuen türkischen Alphabet der Türkei anlehnen und das dieses als gemeinsames türkisches Kulturerbe zu betrachten und bewahren sein sollte. (Die turksprachigen Minderheiten in den übrigen Ländern sollten dieses Alphabet bis 2010 zu übernehmen haben, um die Gemeinschaft der Turkvölker zu erneuern!)

Turksprachige Juden benutzten seit alters her die hebräische Schrift.

Buch-Tipp: Die fünf Sprachen der Liebe für Singles Absolut richtiger Grundansatz Dieses Buch erinnert uns daran, aufmerksam zu sein - anderen, aber auch uns selbst gegenüber. Was ist meine Sprache der Liebe? Und was ist die deine? Ich persönlich bin überzeugt davon, dass die Sprachen der Liebe etwas diffiziler sind, als im Buch beschrieben, das ab und zu mit ein paar überflüssigen (weil unwesentlichen)...

Namen

Ein wichtiger Bestandteil einer Sprache sind die Namen. Es gibt Personen-Namen (Vornamen, Familien-Namen), Eigennamen, Tiernamen, etc. In Wörterbüchern der einzelnen Sprachen sind diese zu finden. Was ist aber, wenn ich ca. ungefähr weiß, woher ein Name kommt? Beispiel: Tramzal (Familienname). Aus welcher Turksprache kommt dieser?

Dieser Personenname stammt höchstwahrscheinlich vom Kasak-Tatarischen ab, die als Händler zu den sesshaften Turkmenenstämmen kamen. Diese nannten die "Besucher" aus dem Norden vielfach Tramsaq - "Tröttler"; als Tramzak ging dieser Name z. B. in das Turkmenische ein.

Buch-Tipp: Die fünf Sprachen der Liebe für Wenig-Leser Kurz und bündig - und mit Humor Wie in seinen anderen Büchern auch, bebezeichnet Gary Chapman die 5 Sprachen der Liebe: 1) Lob und Anerkennung 2)Zweisamkeit 3) Geschenke 4) Hilfsbereitschaft 5) Zärtlichkeit Wie bei einem kurzen Buch nicht anders zu erwarten, beschreibt er die jeweilige Sprache und gibt praktische Tips zur Umsetzung. Nett sind die Comics,...

Das Abenteuer der türkischen Sprache - Hasan Eren

Der junge Schwedenkönig Karl XII. erlitt 1709 in der Schlacht von Poltava eine schwere Niederlage gegen die Russen. In diesem Krieg gerieten Tausende schwedischer Offiziere in Russische Gefangenschaft. Unter ihnen war auch Philip Johan Tabbert, der später den Familiennamen Strahlenberg annahm. Die Reise dieser Gefangenen nach Westsibirien endete 1711 in Tobolsk.

In Tobolsk hatten die Verbannten die Möglichkeit, sich mit verschiedenen Arbeiten zu beschäftigen. Während einer zehnjährigen Zeitspanne erforschten diese zumeist gebildeten Schweden Sibirien von unterschiedlichen Gesichtspunkten her.

Als Strahlenberg 1722 nach Schweden zurückkehrte, veröffentlichte er die in Rußland und Sibirien gesammelten Beobachtungen in einem großen Werk unter dem Titel: „Europa und die nördlichen und östlichen Teile Asiens“ (Stockholm 1730). Die von Strahlenberg mitgeteilten Kenntnisse erweckten nicht ca. Schweden, sondern in ganz Europa großes Interesse. Das Buch wurde in kurzer Zeit in das Englische, Französische und Spanische übersetzt. Durch die Beobachtungen Strahlenbergs – neben anderen Themen – zu den Sprachen der in Nordeuropa und Sibirien gesprochenen Sprachen, die zu seiner Zeit „tatarische Sprachen“ genannten wurden, in sechs Gruppen unterteilt:

  • 1. Finnische und Ungarische Sprachen
  • 2. Die Sprachen der Tataren, Jakuten, Tschuwaschen und Türken, der in Krimtataren und Usbeken, der Baschkurt, Kirgisen und Turkmentataren
  • 3. Samojedisch
  • 4. Mongolisch und Mandschusprachen
  • 5. Tungusisch
  • 6. Sprachen der Stämme zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer

In späteren Jahren charakterisierte Strahlenberg die zuerst als Tatarische Sprachen benannten als „Ural-Altaische“ Gruppe. Wie man aus der Nennung schon entnehmen kann, trennt sich diese Gruppe in zwei große Zweige. Der Ural-Zweig umfaßt Sprachen wie Finnisch, Ungarisch, Lappisch, Wogulisch, Ostiakisch, Wotiakisch usw. In dem Altai-Zweig dagegen versammeln sich das Türkische, Mongolische, Mandschu, Tungusisch usw. In den letzten 50 Jahren wurde behauptet, auch das Koreanische gehöre zu dem Altai-Zweig.

Die vielleicht interessanteste Mitteilung, die Strahlenberg macht, bezieht sich auf eine Ansammlung von Steinen, die Grabsteine darstellen, am Ufer des Jenissej. Da er nicht wußte, ob die auf ihnen eingehauenen Zeichen Buchstaben waren, begnügte sich Strahlenberg für sein Buch mit einem handgezeichneten Beispiel dieser Zeichnungen.

Der Finnische Archäologenverein sammelte am Ende des 19. Jahrhunderts (1889) die nahezu vergessenen, zerstreuten Denkmäler in einem Atlas und schickte diesen an interessierte Wissenschaftler. Die Zeichen auf den Steinen wurden als Schrift identifiziert, und die unbekannte Sprache erregte in den Kreisen der Wissenschaft großes Aufsehen.

Als in dem Jahre 1889 N.M. Jadrinzev aus Irkutsk noch zwei ähnliche Inschriften an der Mündung des Orchun in die Selenga (nördliche Mongolei) fand, wurde das Interesse weiter gesteigert. Daraufhin schickte die Irkutsker Geographische Gesellschaft sofort eine Abordnungins Gebiet. Der Wert des Fundes stand innerhalb kurzer Zeit fest. In dem Namen der Ugrofinnischen Gesellschaft ging Heikel 1890 – 91 in das Orchun-Tal und kopierte alle Inschriften, die er fand. Ein neues Album mit den gesammelten Kopien und Bildern erschien 1892. Unter Vorsitz des Turkologen Wilhelm Radloff begannen 1891 auch die Russischen Wissenschafter, an diesen Steinen zu arbeiten und ebenfalls bald ein Album zu veröffentlichen.

Durch die Funde vom Orchun-Tal hatte sich die Lage unerwartet verändert. Zu Strahlenbergs beschrifteten Steinen kamen zwei lange Inschriften hinzu. Die eine befand sich auf einem 332 cm hohen Stein, der an seiner ursprünglichen Stelle stand; beschriftet war ein Anteil von 231 cm Höhe. Das andere Monument lag um die Basis in vier einzelnen Bruchstücken verstreut.

Auf beiden Denkmälern gab es auch chinesische Texte. Aus diesen konnte man entnehmen, daß die Gedenksteine von den Gök-Türken stammten. Dementsprechend mußte sich in der unbekannten Inschrift eine alte Turk-Sprache verbergen.

Nun begann unter den Sprachwissenschaftlern der Wettlauf um die Entzifferung der Buchstaben, den 1893 der bekannte dänische Sprachforscher Wilhelm Thomsen (1842 – 1927) gewann. Er schickte seine Lösung an die Dänische Akademie der Wissenschaften. Diese wichtige Entdeckung besagte, daß es sich um eine Schrift mit 38 Zeichen handelte. Die Inschriften stammten aus den Jahren 732 und 734, und haben als älteste Dokumente der türkischen Sprache großen Wert. Ca. wenige Nationen der Welt besitzen derartig alte Sprachdenkmäler.

Ein türkischer Sprachwissenschaftler des XI. Jahrhunderts, Mahmut von Kaschgar, hatte unter dem Titel „Divan–i Lügat – it – Türk“ (Gesammelter Wortschatz des Türkischen) das gesamte Wissen seiner Zeit über die Türken zusammengetragen. In diesem Werk spricht der Verfasser auch von den Zweigen der Turkvölker und bebezeichnet einige Hauptmerkmale ihrer Sprachen. Mahmut von Kaschgar hat seinem unvergleichlichen Werk auch eine Karte beigefügt, die die älteste türkische Karte der Geschichte darstellt. Sie zeigt, wo die Türken und ihre Nachbarvölker seinerzeit wohnten. Mahmut von Kaschgar bebezeichnet unter anderem folgende Stämme der Türkischen Nation: „Beçenek, Kipçak, Oguz (Guz), Yemek, Baskurt, Suvar, Bulgar, Tatar, Çigil, Yagma, Ugrak, Qaruk, Uygur, Kirgiz“ usw.

Wir sehen, daß schon in jener Zeit sich die Türkischen Stämme über ein weites geographisches Gebiet verteilten.

Der Autor hat auch die Unterschiede zwischen den weitverstreuten türkischen Zweigen festgestellt. Doch sieht er sie eher auf phonetischem Gebiet, erst in zweiter Linie in dem Bereich des Wortschatzes.

Ebenso wie der „Divan-i Lügat – it – Türk“ über die Bulgaren, wohl wegen der geographischen Entfernung, ca. wenig mitteilt, so schweigt er auch über die chasarischen Türken. Diese hatten zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert nördlich vom Kaspischen Meer ein großes Nomadenreich begründet. Wir wissen, daß in dem 9. und 10. Jahrhundert Kiew mit den Chasaren verbunden war. In dem 10. Jahrhundert verschwinden die Chasaren von der Bühne der Geschichte. Ihr Name findet sich heute ca. noch in der türkischen Nennung für das Kaspische Meer, nämlich „Hazar-Denizi“.

Ein Teil der Bulgaren hatte auf dem Balkan einen Staat gegründet und war bald darauf sklavisiert worden. Der Name der in der alten Heimat verbliebenen Bulgaren hingegen geriet langsam in Vergessenheit. Doch die Sprachen der Bulgaren und Chasaren werden noch heute bei den Tschuwaschen gebraucht. Die Sprache der Tschuwaschen, die in der Sowjetunion am Ufer der mittleren Wolga leben, hat einige Hauptmerkmale der altbulgarischen Sprache bewahrt. Auch in den Ländern der Tataren undBaschkiren finden sich verstreut Tschuwaschen; nach letzter Zählung beträgt ihre Zahl insgesamt 1.695 Tausend Personen.

Im Land der alten Bulgaren lebten auch die Ungarn. Die heute in dem Ungarischen benutzten Türkischen Wörter stammen großenteils aus dem Altbulgarischen.

Sind die Namen der Kyptschaken (und Kuman) heute auch vergessen, so leben doch einige Hauptmerkmale ihrer Dialekte in den modernen Turksprachen weiter. Als zeitgenössische Verzweigungen der alten Kiptschak-Türken können wir die Tataren, Baschkiren, Kasachen, Kara-Kalpaken , Nogaier und Kirgisen betrachten.

Ein Großteil der Tataren (1.536.000) heißt Kazan-Tataren. Auch die Mischäer (300.000) und Teptaren (300.000) gehören zu den Tataren. Die Litauischen Tataren (7.000) haben einstmals ihr Wohngebiet an der Wolga verlassen und sich in Litauen angesiedelt. In Westsibiren werden eine Reihe von Tatarendialekten unter verschiedenen Nennungen gesprochen (50.000). Die Krim-Tataren (300.000) und die Dobrutscha-Tataren (5 Tausend – 6.000) gehören ebenfalls zur Tatarenfamilie.

Den Namen der Baschkiren kennen wir seit Mahmut von Kaschgar. Man schätzt die Zahl der in dem tatarischen, usbekischen, kirgisischen und tadschikischen Gebiet lebenden Angehörigen dieser Gruppe auf 125.000.

Die Zahl der in Kasachstan lebenden Kasachen (auch das Wort Kosaken stammt von ihnen ab) beträgt 4.234.000. Auch in Usbekistan, Kirgisistan, Turkmenistan und Tadschikistan findet man Kasachen. Insgesamt muß man sich ihre Zahl in der bisherigen Sowjetunion als 5.299 Tausend vorstellen. Außerdem weiß man, daß in Afghanistan, in der Mongolei und China 500 Tausend Kasachen wohnen. Die Kara-Kalpaken siedeln im Gebiet südlich des Aral-Sees (236.000). In Afghanistan beträgt ihre Zahl annähernd 2.000. Die Nogaier (52.000) leben am nördlichen Kaukasus. Ihre Zahl beträgt rund 70.000.

Die Kirgisen befinden sich zu dem großen Teil in Kirgisistan (1.285.000), jedoch auch in den Nachbarländern. Vermutlich beträgt ihre Zahl in der gesamten GUS 1.452.000. Auch in China leben etwa 80 Tausend Kirgisen und außerdem einige in Afghanistan und Pakistan.

Ein Zweig der Usbeken spricht einen Kyptschak-Dialekt. Auch die in dem Kaukasus lebenden Karatschaier (113.000) und Balkaren (77.000) sind Zweige der Kyptschaken. Ebenso gehören die in Daghestan lebenden Kumyken (189.000) vom Sprachlichen her zu den Kyptschaken.

Schließlich zählen auch die in der Ukraine, auf der Krim, in Litauen und Polen verstreut lebenden Karaim zu den Völkern, die einen Kyptschak-Dialekt sprechen. Die Karaim selbst betrachten sich als Abkömmlinge der Chasaren. Ihre Zahl beträgt etwa 5.000.

In den alten Türkischen Inschriften war, wie wir gesehen haben, von den Oghusen die Rede. Auch Mahmut von Kaschgar spricht in dem XI. Jahrhundert von den Oghudsen und ihrer Sprache. Wie der Name Kyptschaken, so wird auch Oghusen heute ca. noch als Nennung einer Sprache benutzt. Die Eigenarten des alten Oghus-Dialektes haben sich bis heute in dem Türkei-Türkischen, in dem Azeri-Türkischen, in dem Turkmenischen und in der Sprache der Gagausen erhalten. Die Zahl der Gagausen beträgt etwa 200.000, davon leben ungefähr 157 Tausend in dem Gebiet der GUS.

Die Sprachen der Cypern-Türken und der auf dem Balkan lebenden Türken gehören zu dem Anatolischen Türkisch. Die Aseri leben in Aserbaidschan mit rund 4.380 Tausend und in dem nördlichen Iran mit 3.700.000. Ob die Sprache der Haladsch, die ebenfalls in dem Iran leben, ein Zweig des Azeri-Türkischen ist oder ein archaischer Turk-Dialekt, wissen wir nicht genau. Doch steht fest, daß sich in dieser Sprache archaische Besonderheiten erhalten haben.

Der Name der Turkmenen wird seit dem 11. Jahrhundert benutzt. Die mit diesem Namen genannten Türken leben großenteils (1.417.000) in Turkmenistan. Zählen wir auch noch die Turkmenen dazu, die in dem nördlichen Kaukasus, in Usbekistan, Tadschikistan und Kasachstan leben, so kommen wir auf eine Zahl von 1.525.000. Mit den Turkmenen in Afghanistan, Iran, der Türkei, in dem Irak, in Syrien und Jordanien sind es insgesamt 2 Millionen.

Die Dialekte der in Ostturkistan lebenden Türken bezeichnet man Ost-Türkisch oder „Turki“. Zu dieser Gruppe gehören das Neu-Uigurische , Usbekische, Salarische und Gelb-Uigurische. Das Neu-Ugurische entwickelte sich in dem 9. – 12. Jahrhundert als moderner Zweig des Uigurischen. Das Usbekische hingegen beruht auf der Schriftsprache der Tschagatai, die in dem 15. Jahrhundert ein großes Wachstum erlebte. Man nimmt an, daß das Salarische ein Zweig des Neu-Uigurischen ist. Die Gelb-Uiguren dagegen, die in Kansu in China wohnen, sind Abkömmlinge der alten Uiguren, die einst in der Mongolei ein großes Reich gegründet hatten.

Die Zahl der in lebenden Usbeken beträgt etwa 7.725.000. Insgesamt leben in der UdSSR hingegen 9.195 Tausend Angehörige dieses Volkes. In Afghanistan gibt es 650 Tausend Usbeken und in China 15.000.

Von den Neu-Uiguren leben in China fast 3,6 Millionen und innerhalb der Grenzen der GUS 173.000.

Am südlichen Ufer des Gelben Flusses lebt der größte Teil der Salaren mit 30 Tausend Personen.

Die Gelb-Uiguren bilden in der Provinz Kansu in China eine kleine Gemeinschaft von etwa 4 Tausend Menschen.

Zuletzt betrachten wir noch die Türken, die in Südsibirien leben und die vom sprachlichen Gesichtspunkt aus eine eigene Gruppe bilden:

Altaier - Zweig mit 56 Tausend Personen Chakassen - Zweig mit 67 Tausend Personen Tuviner - Zweig mit 139 Tausend Personen

Die in Ostsibirien an den Ufern der Lena, Jana, Indigirka und Wiluj lebenden Jakuten nehmen unter den zeitgenössischen türkischen Dialekten eine Sonderstellung ein. Die Jakuten bezeichnen sich selbst „Saha“. Den Namen „Jakut“ haben die Russen verbreitet.

Die oben aufgezählten türkischen Dialekte stehen in der GUS nachdem Russischen an zweiter Stelle.

Wir haben die Hauptlinien der heutigen türkischen Dialekte verfolgt und gesehen, daß sie von der Balkanhalbinsel bis nach China hin gesprochen werden. Wir haben auch versucht, aufgrund neuester Angaben die Zahl derer, die diese Dialekte sprechen, zu ermitteln.

Nun zur Gesamtsumme: Rechnet man auch die Türken in der Türkei, auf dem Balkan, auf Zypern, in den Arabischen Nachbarländern und in dem Irak mit, so kommt man auf mindestens 145 Millionen Menschen auf der ganzen Welt, die heute Türkisch sprechen; das ist eine Ausnahme, die der Wirklichkeit sehr nahe kommt, wie ich meine.

Der bekannte Turkologe Wilhelm Radloff drückte das 1866 so aus: „Vom Nordosten Afrikas bis zur Europäischen Türkei, vom südöstlichen Teil Rußlands über Kleinasien nach Turan und von dort nach Sibirien, bis zur Wüste Gobi hin leben Stämme, die die türkische Sprache sprechen. Auf der ganzen Welt ist keine Sprachfamilie über ein so weites Gebiet hinweg verbreitet wie das Türkische“.

Quelle: deutschprachige Web-Seite des Türkischen Kulturministeriums (leicht überarbeitet)

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